Die Wärmeversorgung macht in Deutschland mehr als 50 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs aus und verursacht einen Großteil des CO2-Ausstoßes. Bei uns in der Stadt Landsberg werden über 79 % der Wärme durch fossile Energieträger wie Erdgas und Öl erzeugt. Übrigens 3% der Wärmemenge wird durch kleine Wärmenetze an die Abnehmer verteilt.
Diese drei Zahlen aus der aktuellen kommunalen Wärmeplanung (KWP) zeigen mehr als deutlich. Wenn wir die Ziele des Klimaschutzgesetzes des Bundes – klimaneutral bis Ende 2045 – erreichen wollen, dann ist bei der Wärmeversorgung noch einiges tun: „Keine Energiewende ohne Wärmewende. Und keine Wärmewende ohne entsprechende Wärmeplanung.“
Auf Initiative unseres Klimaschutzbeirates beschloss der Stadtrat im Herbst 2022, die KWP durchzuführen und bekam ein Jahr später die Zusage zur 90% Förderung durch den Bund. Seit Sommer 2024 wird die KWP bearbeitet und der Entwurf des kommunalen Wärmeplanes ist jetzt fertig und auf der Homepage der Stadt Landsberg veröffentlicht. Bis 22. September haben die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit Stellungnahmen abzugeben.
Doch was kann eine KWP für Landsberg liefern und was nicht?
Sie ist ein strategisches Planungsinstrument, aus dem sich kein unmittelbarer Rechtsanspruch auf Umsetzung ableiten lässt. Sie soll Orientierung geben, ob eine Wärmenetz im Quartier wahrscheinlich sein könnte oder ob man in Zukunft hier eher auf eine dezentrale fossilfreie Lösung setzen sollte.
Ein Blick in den Entwurf der KWP zeigt für Landsberg ganz gut, dass ein Wärmenetz in der Altstadt nahezu alternativlos sein wird – hier müssen wir schnellstmöglich den Grundsatzbeschluss im Stadtrat fassen. Darüber hinaus sieht man, dass Erweiterungen der vorhandenen Wärmenetze sinnvoll sein könnten. In vielen Gebieten wird (Stand heute) auch in Zukunft wahrscheinlich dezentral geheizt werden.
Nicht vergessen dürfen wir die quer durch unser Stadtgebiet verteilten dichteren Wohnsiedlungen wie beispielsweise der Ziegelanger, „Aigner-Siedlung“ an der Augsburger Str., Römerhang, Englischer Garten oder die „Dobler-Siedlung“ am Krachenberg. Hier muss zusammen mit den Eigner bzw. den Hausverwaltungen / Eigentümergemeinschaften genau hingeschaut werden, ob sich nicht Wärmenetze – über den eigenen Wohnblöcken hinaus – anbieten und auch wirtschaftlich sein können. Da kommt unseres Erachtens eine entscheidende zentrale Rolle auf die Stadt Landsberg zu. Ihre Aufgabe wird es sein zu initiieren, vernetzen, koordinieren und den Prozess aktiv voranzutreiben. Dies kann z.B. über gemeinsame Machbarkeitsstudien geschehen, die Quartiere genauer auf eine Realisierbarkeit und Wirtschaftlichkeit von Wärmenetzen untersuchen. Dazu müssen wir auch Geld in die Hand nehmen und in Vorleistung gehen.
“Ohne die Kommunen ist die Klimawende nicht zu schaffen”, daher müssen wir in Zukunft noch verstärkter in der Stadtpolitik unseren Fokus auf Maßnahmen für den Klimaschutz setzen. Die klimaneutrale Wärmeversorgung unserer Stadt müssen wir jetzt angehen und die entsprechenden Weichen gemeinsam mit allen Akteuren stellen, um für unsere Quartiere die bestmögliche fossilfreie und wirtschaftliche Versorgung zu finden, zu planen und zu realisieren.
Die KWP ist hierzu nur ein Baustein, der jetzt mit Leben gefüllt werden muss. Für eine erfolgreiche Wärmewende brauchen wir Sie alle – liebe Landsbergerinnen und Landsberger. Denn nur mit vereinten Kräften schaffen wir die Energiewende.
Moritz Hartmann

